
Elektronischer Sport ist ein Sport. Eigentlich schon deshalb, weil kaum eine andere Szene so häufig mit halbgaren Klischees konfrontiert wird: Das können die Gamer dann nur sportlich nehmen.
Doch es sollte auch klar sein: Wer sich mit dem Gameboy auf das Sofa setzt, darf sich anschließend nicht automatisch als Sportler feiern lassen. Zwischen dem Freizeit-Daddeln und eSport besteht ein Unterschied - sogar ein gewaltiger: eSport wird in professionellen Computerspiel-Ligen ausgetragen, die Strukturen der Organisation sind dem klassischen Sport ähnlich – und es gibt den gleichen Anreiz.
Es geht um Titel und Siege – und die Bewertung einer persönlich erbrachten Leistung. Die Spielkonsole führt aus, die Impulse dagegen setzt noch immer der Spieler selbst.
Professionelle Strukturen sind Voraussetzung für ein funktionierendes Ligasystem – und daher wegweisend für eine im Wettbewerb ausgetragene sportliche Leistung: Das unterscheidet den eSport vom Mensch-Ärger-dich-nicht. Mehr als 850.000 Spieler sind in der größten europäischen Liga vertreten. Es geht um Preisgelder, es existieren Mannschaften, Fans und Live-Spieltage in den Hallen. Gänzlich virtuell, nur über das Internet funktioniert eSport längst nicht.
Hand-Augen-Koordination und Reaktionsvermögen
Aber auch bei den Anforderungen wird deutlich: Motorische und geistige Fähigkeiten sind beim eSport unverzichtbar. Hand-Augen-Koordination, Reaktionsvermögen, räumliches Denken und Konzentration. Das ist mehr, als nur auf eine Flimmerkiste zu starren.
Sport ist nicht nur dort gegeben, wo ständig alle Muskeln des Körpers in Bewegung sind. Solche Vergleiche zu ziehen wäre falsch. Die Vielfalt macht die Bandbreite sportlicher Betätigung doch letztlich aus. Auch beim Schach bewegt sich der Protagonist nicht vom Fleck, ein Bogenschütze arbeitet mit der eigenen Konzentration und Genauigkeit – und einem Präzisionsgerät.
Vielfalt macht die Bandbreite sportlicher Betätigung aus
Die Steuereinheit ist das Sportgerät eines eSportlers. eSport ist eine Sportart – auch weil sich die Szene nicht nur auf die virtuelle Welt beschränkt. Der Brückenschlag zu den klassischen Sportarten ist allgegenwärtig. Das Klischee vom Pizza-futternden Nerd, der im Keller ausschließlich seine Spiele spielt, ist abgenutzt, verbraucht und schlichtweg falsch.
eSport ist kein automatischer Ausschluss für Leibesertüchtigung. Nur wer körperlich fit ist, wird im eSport den dauernden Belastungen gerecht werden können. Viele bekannte eSportler treiben als Ausgleich einen klassischen Sport. Einstige eSport-Ikonen wie Benjamin Reichert sind zum Beispiel heute als Profi-Fußball in der 2. Bundesliga unterwegs. Im Vorfeld zu den World Cyber Games stand für die deutsche Nationalmannschaft daher nicht nur Monitortraining an, sondern es ging im Trainingslager an klassische Sportgeräte.
In Köln wurde mit der Schaffung eines eigenen Vereinsheims ein weiterer Schritt zur Professionalisierung der jungen Bewegung getan. Mehrere Sportvereine denken bereits über den Aufbau eigener Abteilungen für den eSport nach. Das ist ein deutliches Signal.
eSport ist vom hiesigen Deutschen Olympischen Sportbund nicht als Sportart anerkannt. Es laufen Bestrebungen der Szene, dies zu ändern – andere Länder sind da schon weiter. In Brasilien oder China ist eSport von den dortigen Sportverbänden bereits als Sportart anerkannt. Ein mitunter steiniger Weg, der aber auch in Deutschland noch zu gehen ist.
eSport ist ein Mannschaftsport
eSport ist ein Mannschaftsport, der im Team nur mit der Abstimmung mit den Spielkameraden funktioniert. Taktisches Geschick ist erforderlich, ob bei Sport- oder Strategiespielen. Das lernt man selten alleine, sondern von erfahrenen Spielern im Team. Und so funktioniert letztlich: der Sport.